Private Shopping (I): Wie Private Shopping den eCommerce verändern wird

Schätzungsweise gibt es über 100 Private Shopping Unternehmen, in ca. 35 Ländern. Letztes Mitglied in dieser Gattung ist die indonesische „Fashionprivate“ und die nächsten haben sich schon aufgereiht, wie Sukar aus Dubai.

Hört man die Geschichten hinter den Private Shopping Clubs, existieren sehr viele Gemeinsamkeiten: Die Gründer haben immer sehr schnell entschieden und ihre Entscheidung umgesetzt. Die Geschichten haben viele Facetten: Von dem einen der nach einem Telefonat von San Fran mit dem nächsten Flieger nach Europa kam und heute immer noch dort ist. Inzwischen aber als Gründer von einem Private Shopping Club. Oder von dem anderen Gründer, der das Budget für seine Hochzeitreise in seine Firma steckte, damit es früher losgehen konnte. Lange Rede, kurzer Sinn – dieses Segment wächst so schnell, dass es eine bestimmte Sorte von Mensch anzieht: Gründer und Unternehmer. Sehr spannend. Aber diese Gründer kommen nicht zum Private Shopping weil es so schnell wächst. Sondern weil es das Potential zu etwas größerem hat – einem weiteren etablierten eCommerce Format…

Es gibt bisher einen Private Shopping Club, Vente-privée, der in einem Land das Rennen entschieden hat. Frankreich ist Vente-privée Land, mit unglaublich signifikantem Marktanteil, Umsätzen und Kapazitäten im Hintergrund. Obwohl mehr als 20 weitere Wettbewerber da sind.

In allen anderen Ländern ist das Rennen noch offen:
In Deutschland kämpfen Brands4Friends, Vente-privée und BuyVIP um die Marktführerschaft. Brands4Friends hat später angefangen und das Feld von hinten aufgerollt, Vente-privée kommt langsam aber sicher und BuyVIP setzt auf ein Europäisches Powerplay. Insbesondere BuyVIP und Brands4Friends haben sich exzellent verstärkt. Aus meiner Sicht ist 2010 das Entscheidungsjahr für Private Shopping in Deutschland.
In den USA kämpfen Gilt, Rue la la, Hautelook und Ideeli um den Riesenmarkt. Gilt scheint in der Pole Position aber die Finanzierungsstrukturen den US-Amerikanischen Marktes lassen allen eine Chance einen Riesensprung nach vorne zu machen. In der nahen Zukunft wird einer der Marktteilnehmer, aller voraussicht nach Gilt, einen IPO machen und sich mit sehr viel Kapital auftanken. Bis auf das Japan Abenteuer von Gilt, fokussieren sich alle Clubs auf den heimischen Markt.
In England sind Brandalley und Secret Sales im Rennen. Dabei muss man hinzufügen, dass England durch die ausgeprägt starken Handelsstrukturen traditionell ein sehr schweres Pflaster für Private Shopping Clubs ist. Bevor ich daran denke, wer Marktführer in England wird, stellt sich für mich die Frage, ob Private Shopping sich überhaupt durchsetzen wird.
Spanien ist mit BuyVIP, Privalia und Vente-privée auch ein interessantes Land. Obwohl Spanien im eCommerce noch keine blühenden Landschaften aufweist, scheint sich dieses Format dort zu etablieren. BuyVIP führt den Wettbewerb an.

In allen anderen Ländern ist Private Shopping in der Regel keine 2 Jahre alt. In Russland steht KupiVIP in der Pole Position, in der Türkei ist es Markafoni, in Polen BuyVIP in einer Kooperation mit Allegro, in Kanada Beyond The Rack, in Brasilien Brandsclub und Privalia, in Indien Fashion and You, in Singapur Reebonz und in Australien Brandsexclusive. In jedem dieser Länder gibt es mindestens drei Wettbewerber. Bis auf Russland und Türkei ist das Rennen überall noch offen. Weitere Länder wie Indonesien, Mexico, Vietnam, Ukraine, Griechenland und VAE gehen an den Start oder haben gerade losgelegt.

Zudem gehen die Riesen des eCommerce wie eBay und Amazon auch mit eigenen Formaten ins Rennen. Auch wenn man eBay derzeit gerne unterschätzen mag, muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass eBay in jedem Land (bis auf Frankreich) mehr Fashion Produkte verkauft als alle Private Shopping Betreiber zusammen. eBay und Amazon können und werden diesen Markt nicht unbesetzt lassen aber für einen großen Sprung scheint der Zug abgefahren zu sein.

Kurzum, ein globaler Flächenbrand ist entbrannt. Und zum erstenmal gibt es ein eCommerce Format (neben eTailer, Marktplatz und Kleinanzeigen), welches das Zeug hat das vierte Format im eCommerce zu werden. Und genau aus dem Blickwinkel werden sich Strukturen im eCommerce verschieben. Das Geld, was vorher in einem anderen Format ausgegeben wurde, wird jetzt über Private Shopping ausgegeben. Marktanteile etablierter eCommerce Firmen werden darunter leiden.

Meines Erachtens werden Private Shopping Firmen heute immer noch unterschätzt. Aber sowohl auf der Finanzierungsfront als auf der Kundenseite rüsten diese Firmen massiv auf. Wir werden in 2010 Zeuge von immer größeren “Monsterrunden” in der Finanzierung werden. In USA (Gilt) haben wir dies schon gesehen. In Russland (KupiVIP) und Türkei (Markafoni) haben die Private Shopping Firmen, die jeweils größten eCommerce Investments ihrer Länder realisiert.

2010 wird ein spannendes Jahr für den Private Shopping Sektor und für den eCommerce:

1. In mehreren Ländern wird die Marktführerschaft im Private Shopping entschieden
2. Ich erwarte mindestens zwei Private Shopping Firmen, die börsennotiert sein werden.
3. Das Gesamtvolumen der Finanzierungsrunden wie auch die multiples werden ein neues Rekordhoch erreichen.
4. Das Rennen um die Globalisierung hat schon angefangen und wird sich verschärfen: Die größeren Shopping Clubs werden in mindestens ein weiteres Land rein gehen. The World is not enough.
5. Parallel zur Internationalisierung wird auch die Konsolidierung einsetzen. Diejenigen, die keine Chance auf die Marktführerschaft haben, werden sich zurückziehen, fusionieren oder sich etwas kreatives einfallen lassen, obwohl Private Shopping kein “The winner takes it all” Geschäft ist – siehe Frankreich. Aber da viele der neuen Firmen VC finanziert sind, wird sich das in vielen Ländern anders entwicklen als in Frankreich.

Dies ist der Auftakt zu einer mehrteiligen Serie zum globalen Private Shopping Markt. Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Fragen.

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3 Comments

  1. Birol Kabakoglu
    Posted 11 April 2010 at 19:14 | Permalink

    Es wird wirklich ein Spanendes Jahr für Private Shopping sein.

  2. praippest
    Posted 17 May 2010 at 10:38 | Permalink

    Just want to say what a great blog you got here!
    I’ve been around for quite a lot of time, but finally decided to show my appreciation of your work!

    Thumbs up, and keep it going!

    Cheers
    Christian, watch south park online

  3. Posted 28 March 2011 at 02:05 | Permalink

    Hallo,

    was Du geschrieben hast geht auf. Es wird wohl über die Zusammenführung von Groupon und Private Shopping Clubs realisiert. Hier die News dazu um es schlüssig zu realisieren.

    Erol Yöndem
    ______________________________________________________________________
    BrandsAlliance: Oliver Jung holt weitere $17 Mio. für seine Shoppingclubs
    Oliver Jung und sein mit Klaus Hommels geführter Trayas Investments Fonds haben heute 17 Mio. Dollar für ihren brasilianischen Shoppingclub Brandsclub geholt:

    “Brandsclub has raised $17M in funding from South Africa’s Naspers and European investment group Trayas.

    Founded in March 2009, BrandsClub is a private online shopping club that riffs on Gilt Group and others. BrandsClub says it has over 1.1M users in Brazil and is also in Mexico.”

    Nicht alle bei Brands4Friends waren ja besonders glücklich, als Oliver Jung und andere Brands4Friends-Investoren ihr eigenes Ding machten und im Oktober 2008 das russische KupiVIP an den Start brachten.

    Doch inzwischen ist auch Oliver Jung bei Brands4Friends raus und kann ungehemmt an seinem internationalen Shoppingclub-Imperium bauen.

    Während sich Brands4Friends mit der Internationalisierung immer noch einigermaßen schwer tut – inzwischen ist man immerhin in England und Japan aktiv – ist die BrandsAlliance bereits weltumspannend vertreten – u.a. mit:

    * Beyond The Rack in Kanada
    * Brandsclub in Brasilien
    * BrandsExclusive in Australien
    * FashionandYou in Indien
    * Fashionfriends in der Schweiz
    * FashionPrivate in Indonesien
    * KupiVIP in Russland
    * Markafoni in der Türkei
    * Sukar in Dubai

    Und Oliver Jung & Co. sammeln weiter fleißig Kapital für ihre Clubs ein: Heute gabs die besagten 17 Mio. Dollar für Brandsclub, davor in diesem Jahr schon 5 Mio. Dollar für Sukar, 5 Mio. Euro für Markafoni, 20 Mio. Dollar für KupiVIP und 2 Mio. Doller für Beyond the Rack

    Seit kurzem bloggt Sina Afra, kürzlich von Ebay als Geschäftsführer zu Markafoni gewechselt und u.a. als Gesellschafter bei BrandsExclusive aktiv, zum Thema “Private Shopping” (“Wie Private Shopping den E-Commerce verändern wird”):

    “Meines Erachtens werden Private Shopping Firmen heute immer noch unterschätzt. Aber sowohl auf der Finanzierungsfront als auf der Kundenseite rüsten diese Firmen massiv auf. Und zum erstenmal gibt es ein eCommerce Format, welches das Zeug hat das vierte Format im eCommerce zu werden.”

    Erst in der vergangenen Woche hat sich Gilt als der sicher härteste Wettbewerber bzw. potenzielle Exit-Partner der BrandsAlliance nochmals 35 Mio. Euro geholt

    _____________________________________________________________________
    Beyond the Rack: Wieder $12 Mio. für das Club-Imperium von Oliver Jung

    Der Shoppingclub Beyond the Rack, zugleich auch Oliver Jungs Nordamerika-Beteiligung, hat 12 Mio. Dollar Wachstumskapital erhalten. Eine entsprechende Techcrunch-Meldung haben inzwischen erste Investoren bestätigt:
    The startup has announced a $12 Million round of funding from Highland Capital Partners and BDC Venture Capital. This brings the Beyond The Rack’s total funding to $16.5 Million after its last raise in January 2010 which included Montreal Start Up.

    In January Techvibes reported that the startup had raised $2 Million from Oleg Tscheltzoff and Oliver Jung, and Montreal Startup bringing their total funding to $4.5 Million.”

    Beyond the Rack gehört über Oliver Jung und Klaus Hommels zu einem weltumspannenden Netzwerk an Shoppingclubs, das von Brasilien über die Türkei und Indien bis Australien reicht.

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    Shopbörse: Gilt Groupe holt sich weitere 35 Mio. Dollar

    In den USA hat sich die New Yorker Gilt Groupe von seinen bestehenden Investoren weitere 35 Mio. Dollar für seine Shopping Clubs geholt:

    “Gilt Groupe has just raised another $35 million according to a regulatory filing submitted on Friday.

    Gilt has not suffered for lack of cash, the online sample sale site has raised a total of $48 million in previous rounds from Matrix Partners and General Atlantic, its previous round of funding (July 2009) put its valuation at roughly $400 million.

    According to Gilt, the round is an extension of the last round, which included General Atlantic and Matrix Partners. The company confirms that this round puts Gilt at a higher valuation.

    On the revenues front, Gilt’s trajectory has been even more impressive. When I talked to Gilt’s CEO, Susan Lyne, last fall she was predicting revenues of $150 million for 2009 (roughly triple 2008′s $50 million)— the company surpassed that bar with $170 million.

    She said Gilt was on track to triple its revenues again in 2010 (from $150 to $450)— don’t be surprised if Gilt surpasses the $500-million mark as well.”

    Die aktuelle Ausgabe des Internetretailer Top 500 Guides, die gerade erschienen ist, platziert die Gilt Groupe auf Platz 140 der größten US-Online-Händler. RueLaLa liegt auf Platz 103, Hautelook auf Platz 191.

    Zuletzt experimentierte Gilt auch mit lokalen Live Shopping Events in Groupon Manier. Insgesamt hat Gilt damit 83 Mio. Dollar eingesammelt.

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